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 Betreff des Beitrags: Reparaturarbeiten am Lenkanschlag
BeitragVerfasst: Di 15. Mai 2018, 18:16 
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Sozusagen "aus gegebenem Anlass" möchte ich mal das Thema "Lenkanschlag" aufgreifen und erklären, warum ich da etwas sensibel bin.
Auch, weil in Gebrauchtanzeigen mit viel warmen Worten erklärt wird, warum das Motorrad zwar Sturzspuren aufweist, man das aber keineswegs als unreparierten Unfallschaden verstanden haben will. Und weil es ja zunächst mal darum geht, wer Schuld daran hat und ob das schlimm ist, endet die Verniedlichung meist mit "...stammt vom Vorbesitzer und hat mich nicht gestört!" Will sagen: "Es rechtfertigt darum weder einen Preisabzug noch sollte Dich das vom Kauf abhalten!"

Nun ja.

Die Lenkanschläge befinden sich vorn am Rahmen im Bereich des Steuerkopfes und begrenzen den Einschlag der Gabel/des Lenkers auf ein sinnvolles Maß.

So sieht ein Lenkanschlag am gebrauchten Motorrad üblicherweise aus (alle Bilder: CB500S, aber auf die Hornet übertragbar):

Bild

Der Anschlag ist unverformt; nur im Anschlagbereich der Gabelbrücke ist der Lack beschädigt.

Der Anschlag sorgt für gebührenden Abstand u.a. zwischen Lenker und Tank, aber auch Gabelholm und Rahmen.

Bild

Stürzt man, werden über das Vorderrad und den Lenker hohe Kräfte ins Fahrwerk eingeleitet, die sich aus dem Hebelarm ergeben und punktuell über den Lenkanschlag vom drehbaren Teil (Vorderrad, Gabel, Lenker) in den starren Teil (Rahmen) übertragen werden.

Diese Kraft sorgt für eine plastische Verformung oder, im Extremfall, ein Ein- oder Abreißen des Lenkanschlags.
Hier das Bild einer Verformung.

Bild

Neben der "Stufe" des Anschlags fällt auf, dass der Lack des Anschlags auch im Bereich der Schweißnähte abgeblättert ist.

Die Verformung sorgt dafür, dass der Lenkeinschlag zur schadhaften Seite gefährlich vergrößert wird und es zu Berührungen zwischen Lenkerschaltern und Tank, aber auch Gabelholm und Rahmen kommt. Im folgenden Bild ist scheinbar noch etwas Abstand, bei genauerem Hinsehen ist aber der Rahmenlack an dieser Stelle leicht beschädigt.

Bild

Nun kommen manche auf die Idee, dass man den kleinen Schaden ja schnell und kostengünstig beheben kann. Einfach das Schweißgerät an, kleine Naht gezogen und schon ist wieder alles wie vor dem Sturz, pardon, dem leichten Umkipper, der uns und den Vorbesitzer nie gestört hat. Tatsächlich ist dann der Lenkeinschlag wieder perfekt begrenzt. Wenn man die Feile und den Pinsel schwingt, sieht es sogar wieder so aus wie vorher und man versteht gar nicht, warum man das nicht dürfen soll.

Nun sei doch nicht so pingelig!

Dumm nur, dass das kleine Dreieck an einer sehr empfindlichen Stelle des Rahmens sitzt. Genauer, an der empfindlichsten Stelle, was das Fahrverhalten angeht.
Schauen wir uns die Stelle noch mal genau an.

Bild

Der Unfall leitet wie gesagt erhebliche Kräfte punktuell in den Rahmen ein und der Anschlag wird dabei nach hinten gedrückt. Erkennbar ist das auch schon an den Lackrissen vor (!) dem Lenkanschlag, die man auf dem nächsten Foto schön sehen kann:

Bild

Gleichzeitig wird das hintere Ende des kleinen Dreiecks nach innen gedrückt. Und so sieht das dann von unten aus:

Bild

Der helle Ring, den man hinter der Delle sieht, ist der Staubschutz vom Innenring des unteren Lenkkopflagers. Er ist wie jedes Lager auf Rundlauf angewiesen, der sich durch den Außenring und dessen Lagersitz ergibt. Oder, wie hier, eben nicht mehr ergibt. Dieses Lager wird, egal, was wir machen, nie wieder ordentlich arbeiten und an der sensibelsten Fahrwerksstelle für erhebliche Unruhe sorgen.

Nicht immer ist der Schaden so gut mit bloßem Auge zu erkennen wie hier. Die Toleranzen werden aber nicht erst hier weit überschritten. Ein Übriges tut unser Schweißkünstler, indem er nach der punktuellen Kraftbelastung beim Unfall auch noch punktuell große Hitze an gleicher Stelle aufwendet und damit für weitere Verformung sorgt. Erst recht natürlich, wenn auch noch ein eingerissener Anschlag wieder angepunktet wird. Oder, ebenso schlimm, bei der verbotenen Aktion übersehen.

Verboten? Sicher! Abgesehen davon, dass ein Rahmen nach einem Unfall vermessen werden sollte und unser abgebildeter Rahmen wie viele andere ganz sicher nicht nur am Lenkkopf außerhalb der Toleranz ist, macht schon der Schaden am Lenkanschlag den Rahmen unbrauchbar. Daran ändert auch nichts, wenn man damit mal über den TÜV gekommen ist, weil der Prüfer das (vielleicht gut getarnte) Malheur nicht gesehen hat. Das gilt erst recht, wenn vom Hersteller nicht authorisierte Schweißarbeiten stattgefunden haben. Warum sollte der Hersteller das aber freigeben, und dann noch für jeden, der eine Elektrode halten kann?

Eines ist klar: auch, wenn der TÜV (und DEKRA, KÜS oder GTÜ) den Betrieb eines Fahrzeugs untersagen kann, macht man Reparaturen niemals "für den TÜV". Der Prüfer muss nur die Kreisfahrt auf dem Hof überleben, wir als Fahrer und alle, die später mal unser Motorrad kaufen, brettern damit mit 200 Sachen über die Bahn. Ich hoffe, das erklärt, warum ich manchmal böses Sodbrennen bekomme, wenn da über Billigreparaturen geschrieben wird.

_________________
Viele Grüße, Micha

ANTRIEBSART: OTTO
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