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BeitragVerfasst: Di 28. Mai 2019, 22:41 
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Zerlegung und Zusammenbau der Telegabel („Right Side Up“)
am Beispiel der Honda Hornet 600 (PC34) Modelljahr 1999


Diese Anleitung ist im Prinzip auch auf alle anderen „klassischen“ Telegabeln der Hornet-Modelle, auch mit 900 ccm, anwendbar. Füllmengen und Werkzeuggrößen können aber abweichen.

Benötigtes Werkzeug:

Kleiner Schraubendreher
Ringschlüssel 14 mm
Ringschlüssel 17 mm
Ringschlüssel 24 mm
Kleine Knarre mit Verlängerung und folgenden Aufsätzen: 12mm, 8mm, Inbus 5, 6, 8 mm
Ölwanne
Zollstock

Hilfreich:

Frontheber
Gabeleintreiber 41 mm
Schraubstock (plus Lappen zum Dazwischenlegen)
Messbecher

Gabelöl (in diesem Fall 486 ccm pro Holm) SAE 10---20

Vorbereitung:

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Motorrad so im Frontbereich anheben, dass trotz später ausgebauter Gabel ein sicherer Stand erreicht wird. Ich benutze einen Frontheber, der mit einem Zapfen von unten in die untere Gabelbrücke fasst. Im Bild seht ihr, dass ich eine Wippe am Hinterrad verwende. Der Grund: ich schraube allein und die CB600F hat keinen Hauptständer. Also rolle ich sie rückwärts in die Wippe, damit sie senkrecht steht, und hebe dann die Front an. Macht das bitte nur bei verriegelter Wippe, damit euch die Hornet nicht aus der Wippe rollt beim Anheben!

Ausbau:

Beide Bremssättel abnehmen, dazu je zwei Schrauben SW12 herausdrehen. Bremssättel dann etwas in Richtung Radmitte drücken, um Spiel zwischen den Bremsklötzen und der Bremsscheibe zu erzeugen. So lassen sich die Sättel leichter abnehmen. Vorsicht, nicht den Felgenrand verkratzen!

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Vorderrad ausbauen. Dazu zunächst rechte Klemmschraube SW12 lösen, dann am rechten Tauchrohr die große Schraube SW24 ausdrehen.

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Dann Klemmschraube SW12 am linken Holm lösen. Die Steckachse kann nun nach links herausgezogen werden. Rad dabei etwas abstützen.

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Rad beiseite stellen und Lage der Distanzhülsen merken.

Schutzblech ausbauen. Dazu auf beiden Seiten Inbusschraube SW5 und Sechskantschraube SW8 ausdrehen. Bremssättel an Kabelbindern aufhängen, damit kein starker Zug auf der nun nicht mehr befestigten Leitung entsteht. Beim Ablegen des Schutzblechs aufpassen, dass die von innen eingesteckten Gegenmuttern nicht verloren gehen.

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Die Gabelholme können nun einzeln ausgebaut werden. Ich überhole die Holme immer nacheinander, so dass keine Verwirrung entsteht, was an welchem Holm in welcher Reihenfolge verbaut wird. Die folgenden Schritte gelten dabei je Holm.

An der oberen Gabelbrücke Inbus-Klemmschraube SW8 lösen. Danach (!) den Stopfen SW17 so weit lösen, dass man ihn später, wenn man die Gabelholme in der Hand hält, gut ausdrehen kann.

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Solange die Inbusschraube angezogen ist, lässt sich der Stopfen nur mit Gewalt drehen, darum ist die Reihenfolge wichtig.

Nun die Klemmschraube an der unteren Gabelbrücke mit SW14 lösen.

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Der Gabelholm kann nun nach unten entnommen werden.

Gabelstandrohr prüfen! Dazu ein Stahllineal oder eine gerade Metallleiste im 90-Grad-Abstand parallel an das Chromrohr legen. Erlaubter Verzug ist nur 0,2mm! Standrohr mit Lineal gegen das Licht betrachten, es darf kein Spalt oder „Kippeln“ entstehen. Dieser Test ist der einzig aussagekräftige, da bei Unfällen der Knick oft direkt unter der unteren Gabelbrücke entsteht und eingebaut nicht zu erkennen ist. Deshalb immer am ausgebauten Holm messen.

Die Chromoberfläche muss frei von Rostpickeln sein, da diese die Dichtringe beschädigen. Minimaler Rostansatz kann oft noch mit feiner Stahlwolle und Chromputzmittel beseitigt werden. Bildet die Chromschicht größere Pickel oder Krater, ist es zu spät. Irgendwelche Schleifversuche haben nur kurzzeitig Erfolg. Es hilft dann nur Tausch oder Neuverchromung.


Zerlegung:

Die zuvor gelöste Klemmschraube unten am Tauchrohr (für die Achse) herausnehmen. Darunter sitzt eine Inbusschraube SW6. Bitte niemals mit normalem, L-förmigen Schlüssel versuchen, die Schraube sitzt fest und man dreht den Kopf schnell rund. Darum kleine Knarre, kurze Verlängerung und Inbusnuss SW6 benutzen. Am Einfachsten geht es, wenn man das Tauchrohr am unteren Ende mit einem Lappen umwickelt vorsichtig in einen Schraubstock spannt. Nur leicht zudrehen, um nichts zu beschädigen. Schraube nun lösen und Gabelöl durch die Öffnung herauspumpen.

Nun oben den Standrohrstopfen herausdrehen -Vorsicht bei den letzten Windungen, das Ganze steht etwas unter Spannung! Darunter sitzen in dieser Reihenfolge...

Vorspannhülse,
ein Zwischenring,
die Gabelfeder

und weiter unten Dämpferstange mit kurzer Feder.

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Alle Teile trockenwischen und beiseite legen.

Mit einem kleinen Schraubendreher hebelt man vorsichtig rundum die Staubkappe aus dem Tauchrohr. Kappe auf Risse prüfen und im Zweifel ersetzen -von Tourmax gibt es Gabeldichtringe und Staubkappen auch als Set.

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Der Gabeldichtring wird durch einen Sprengring am Platz gehalten. Diesen mit einem Schraubendreher abheben.

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Nun können Tauch- und Standrohr getrennt werden, um den Gabeldichtring zu tauschen und die Führungsbuchsen zu prüfen. Beide stecken ineinander und nur die Reibung der Buchsen und des Dichtrings hält sie noch zusammen. Hier kommt der wichtigste Punkt der Arbeit!

Um die Teile zu trennen, muss man beide mit ein paar kräftigen Zugbewegungen auseinander ziehen. Im Inneren der Gabel schlägt dabei die äußere Buchse des Standrohres gegen die Führungsbuchse im Tauchrohr und schlägt diese, einen Zwischenring und den Gabeldichtring wie mit einem Zughammer heraus. Man darf das nicht zu zaghaft machen, sondern muss jeweils einen kräftigen Ruck erzeugen. Tut man das nicht, können sich beide Buchsen ineinander schlagen und extrem verklemmen. Also lieber drei- bis fünfmal einen starken Ruck als 25 kleine.

Normalerweise kommt der Dichtring mit jedem Ruck ein paar Millimeter nach oben und ist schnell entfernt.

Wir haben nun das Tauchrohr in der Hand, in dem unten noch eine kleine Aluhülse der Dämpferstange liegt. In der anderen Hand das Standrohr, auf dem noch die Buchsen, der Zwischenring und der Dichtring stecken.

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Reinigung und Prüfung:

Der wichtigste Grund des Gabelölwechsels ist der Abrieb, der sich unten im Tauchrohr absetzt. Den bekommt man am Besten mit von oben eingesprühten Bremsenreiniger ausgespült. Alle anderen Teile kann man einfach abwischen. Jetzt ist auch ein guter Moment, die Teile von außen sauber zu machen (z.B. Standrohr mit Chromputzmittel, Tauchrohr mit Lackpflegemitteln).

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Die Führungsbuchsen, von denen oben schon die Rede war, sind aus Kupfer und haben eine Graphitbeschichtung. Die Beschichtung verringert das Losbrechmoment der Gabel. Ist die Beschichtung schon sehr dünn gescheuert oder hat unter den Rucken beim Trennen der Gabel gelitten, tauschen wir sie aus (gibt es bei Honda selbst oder z.B. www.mymoto24.de -danke an bodenseebiker für den Tipp!).

Zusammenbau:

Dämpferstange mit Feder von oben in das Standrohr stecken. Das Ende der Dämpferstange kommt unten aus dem Standrohr wieder heraus. Auf das Ende die Aluhülse stecken.

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Von unten Tauchrohr darüber schieben und die Inbusschraube von unten einschrauben. Den Dichtring kann man meiner Erfahrung nach wiederverwenden. Schraube anziehen, so gut es geht, später ziehen wir sie nach.

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Die obere Führungsbuchse über das Standrohr nach unten schieben, gefolgt vom Zwischenring. Beides zusammen kann man nun mit dem Eintreiber (z.B. Louis 10003463) von Hand nach unten in das Tauchrohr klopfen.

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Dann den Dichtring aufsetzen (geschlossene Seite nach oben), vorsichtig über die Kante des Standrohrs spreizen und nach unten schieben. Mit den Fingern soweit wie möglich in das Tauchrohr schieben. Alten Dichtring dabei als „Verlängerung“ zusätzlich aufschieben und mit dem Eintreiber so weit in das Tauchrohr schlagen, bis der neue Dichtring unten aufsitzt. Alten Dichtring entfernen, dann Dichtring mit Sprengring sichern und Staubkappe aufsetzen.

Öl einfüllen:

Holm komplett zusammenschieben. In das Standrohr knapp 500 ml (genauer: 486 ml) Öl einfüllen, dann auf folgende Art entlüften. Holm zwischen die Knie klemmen. Oberes Standrohrende mit der Hand verchließen und Rohre mit der anderen Hand auseinander ziehen. Verschlusshand wegnehmen -plopp! Gabelholm wieder zusammenschieben, oberes Ende verschließen und auseinander ziehen. Insgesamt fünf Durchgänge. Damit entlüften wir den Dämpfer für den nun folgenden Schritt.

Holme wieder komplett zusammen schieben. Von einem Zollstock das erste Glied abklappen. Es ist bis zur Kante des restlichen Zollstocks etwa 19,2 cm lang. Wir nutzen es als „Peilstab“, um den Füllstand möglichst genau 10,2 cm unter der Kante des Standrohrs zu erreichen. Das ist die so genannte „Luftkammer“, die Honda bei der PC34 mit 102 mm angibt. Da der abgewinkelte Teil des Zollstocks 192 mm hat, soll beim Eintauchen in das Standrohr das Öl bis zur 9 cm-Markierung reichen. Diese Messung ist viel genauer als die Milliliter-Angabe und hilft, beide Holme gleich zu befüllen.

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Gabelholm wieder auseinander ziehen und in dieser Reihenfolge Feder, Zwischenring und Hülse einsetzen.

Zwischentipp! Es ist eigentlich egal, wie herum man die Feder einbaut, also mit den engen oder weiten Wicklungen nach unten. Die Art, zu federn, wird davon nicht beeinflusst. Theoretisch, aber auch nur theoretisch, verringern „weite Wicklungen nach unten“ die ungefederten Massen, also nehme ich das als Standard. Macht es einfach bei beiden Holmen gleich und alles ist gut.

Den Verschlussstopfen mit der Hand gegen den Federdruck der Gabel herunter drücken und Standrohr dabei drehen. Das geht einfacher und führt nicht so leicht zum Verkanten wie das Drehen des Stopfens in die festgehaltenen Holme.

Holm nun wieder in die Gabelbrücken schieben, so dass das Standrohr bündig oben mit der Gabelbrücke abschließt.. 14 mm-Schraube der unteren Gabelbrücke anziehen, gefolgt vom Stopfen des Standrohrs und der 8 mm-Inbusklemmschraube der oberen Brücke.

Schutzblech einbauen, dabei die eingesteckten Muttern innen im Schutzblech nicht verlieren.

Jetzt kann man die Inbusschrauben, die von unten im Tauchrohr sitzen, noch einmal nachziehen. Das Schutzblech verhindert das Mitdrehen der Gabelholme.

Anschließend das Rad einbauen, natürlich vergessen wir dabei die beiden Klemmschrauben nicht, die die Achse sichern.

Zum Schluss die Bremssättel wieder aufsetzen. Die Bremsklötze müssen dafür meist mit einem Hebel oder Rücksteller auseinander gedrückt werden, um sie bequem aufsetzen zu können. Schrauben mit einem Tropfen mittelfester Schraubensicherung eindrehen.

Ein Hinweis: Fast immer hat man beim ersten Einfedern einen Ölfilm wie bei undichten Gabeldichtringen. Das sind Rückstände vom Zusammenbau, keine Panik. Nach ein, zwei mal Abwischen sollte es trocken bleiben.

Zwei Dinge, die wir niemals machen:

Dichtringe bei zusammengebauter Gabel mit einem Schraubendreher heraushebeln

Mit undichter Gabel fahren, bis das Öl über die Bremse läuft

_________________
Viele Grüße, Micha

ANTRIEBSART: OTTO
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*** Meine Hornet 900 ***


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